ENTWURFSTUDIO HCU ZENTRUM FUER ZUKUNFT

By Lucas Bartholl, Oktober 19, 2021

Beschleunigt durch die Corona-Pandemie schreitet der Strukturwandel der Hamburger Innenstadt weiter voran. Immer mehr großflächige Leerstände tauchen auf. Die am Eingang der Mönckebergstraße gelegenen Einkaufshäuser »Galeria Kaufhof« und »Karstadt Sports« wurden im letzten Jahr geschlossen und stehen seitdem leer. Das »Bündnis Stadtherz«, ein Zusammenschluss zahlreicher Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft, setzte sich früh für eine bedarfsgerechte Umnutzung der Gebäude ein und ruf dafür im Frühjahr 2021 die Initiative »Zentrum für Zukunft« ins Leben. 

Mit der Frage nach der Zukunft dieses zentralen Standortes verbinden sich Fragestellungen und Potentiale rund um einen   vielschichtigen urbanen Prozess. Wem gehören diese Gebäude? Was bedeutet eine bedarfsgerechte (Um-)Nutzung? Welche räumlichen Herausforderungen sind mit Nutzungsänderung solcher spezifischen Gebäudetypologien verbunden? Wie kann ein kooperativer bottom-up Ansatz eine konkurrenzfähige Trägerschaft darstellen? Welche Hebel stehen der Stadt als vermittelnde Institution zwischen privaten Eigentümern und der Stadtgesellschaft zur Verfügung, um einen solchen Prozess zu steuern? 

Mit diesem Entwurf möchten wir zusammen mit den Teilnehmenden ein Ergebnisoffenes Labor ins Leben rufen, welches sich diesen Fragen in ihrer Ganzheitlichkeit und Komplexität analytisch annähert und durch selbstdefinierter Fokussetzung und transdisziplinären Arbeitsweisen ein Toolset verschiedener Handlungsansätze sowie Strategien erarbeitet. In Auseinandersetzung mit dem realen Kontext und mithilfe verschiedener Inputs aus ähnlichen Prozessen entwickelt das Labor räumliche sowie prozessegestalterische Tools, die die Vision einer nachhaltigen und bedarfsgerechten Nachnutzung dieser Gebäude mit entwerferischen sowie forscherischen Wissen Untersucht.  

Nach einer intensiven analytischen Annäherung bestimmt jeder Arbeitsgruppe selbst, welche Fragestellung sie im Laufe des Semesters vertieft erarbeiten wollen. Es können konkrete Umbaumaßnahmen, Konzepte zur Zwischennutzung mit entsprechenden Mikroarchitekturen, aber auch Akteurs- und Netzwerkanalysen und die Untersuchung des Bedarfs sein., Ebenso bieten sich generelle Funktionskonzepte oder konkrete Kampagnenarbeit etc. als Vertiefung zur Auswahl an. Die Ergebnisse sollten als Wissensproduktion einen Beitrag zu dem aktuellen Diskurs leisten, welcher  in Form eines Atlas weitervermittelt werden kann. 
Der Entwurf wird in Kooperation mit dem offenen Kollektiv »LU’UM«, welches in einem transdisziplinären Ansatz zwischen urbaner Praxis und Aktivismus arbeitet, angeboten. »LU’UM« begleitet das »Zentrum für Zukunft« im Bereich Konzept und Prozess und verfügt darüber hinaus über ein großes Netzwerk im Bereich Kunst, Wissenschaft und Stadtpolitik.Somit entsteht  die Möglichkeit im Laufe des Semesters je nach Bedarf verschiedene Expertisen in Form von Gastbeiträgen sowie Gastkritik miteinzubeziehen. Wir möchten innovative Lehrformate verwenden, die darauf ausgerichtet sind kooperativ und gemeinsam zu lernen und zu entwerfen.