ENVILAGO

By javier, September 1, 2018

envilaĝo ist in Zusammenarbeit von Architekturstudierenden der HCU und dem Kooperationsprojekt NEW HAMBURG im Sommer 2018 entstanden.

Auf der Suche nach einem modularen, multifunktionalen Veranstaltungs-Tool für das ›SoliPolis‹ Festival auf der Veddel in Hamburg und mit Blick auf ungesehene, vielleicht vergessene Formate für Versammlungen wurde ein Raum für Begegnung, Aneignung und Austausch geschaffen. Dieser Raum besteht aus drei Konstruktionen, die zusammen ein Ensemble bilden. Alle Holzbauten sind aus gleichen Bauteilen gefertigt und sprechen dieselbe Formensprache.

Die Halle als Zentrum und Forum. Hier ist Platz für Viele. Der gestreckte Raum hat eine Richtung. Der Boden ist niedrig, die Decke hoch. Wir schauen auf, hören zu, stimmen ab, diskutieren und tanzen.

Der Pavillon als Rückzugsort und Unterschlupf. Hier finden sich kleine Gruppen ein. Der quadratische Raum ist zentriert. Der Boden ist hoch, die Decke niedrig. Wir sprechen miteinander, trinken Tee, lernen uns kennen.

Der Turm als Zentrum und Podium. Hier trifft man sich. Der Boden ist ein Tisch, es gibt kein Dach. Hier spricht einer zu Vielen – andere diskutieren.

Zusammen bilden sie einen Platz. Ähnlich wie auf einem Dorfplatz hat jeder Bau eine eigene Aufgabe und ermöglicht verschiedene Konstellationen. Sie können einzeln und in ihrer Gesamtheit bespielt werden, ergänzende Elemente aus Stoff oder Gewebefolie schließen bzw. öffnen den Raum. Die Konstruktion verzichtet auf fest installierte Wände, die aussteifenden Elemente sind untergeordnet, fast unsichtbar. Das Dach und der Boden sind schwarz, bilden einen Rahmen. Der Innenraum bleibt frei von Stützen. Wird der Molton herab gelassen, befinden wir uns in einem dunklen, aber geschützten Raum. Die Gewebefolie lässt diffuses Licht eindringen, schützt gegen Wind und Wetter.

Das envilaĝo erlebte beim ›SoliPolis‹ sein erstes Kapitel, die modulare Bauweise lässt zu, dass es wachsen und sich verändern kann. Es kann größer oder kleiner, länger oder höher werden. An etlichen Anschlusspunkten lassen sich Banner, Präsentationsflächen oder Leinwände befestigen. Eine dem Konstruktionsprinzip unterliegende Innenausstattung, die das System erweitern würde, mehrstöckige Bauten, endlos lange Hallenstrukturen, auf Wiesen und Parkplätzen, an Promenaden und Stränden können und sollen das envilaĝo in Zukunft ergänzen.

Das zweite Kapitel wurde im Mai 2019 aufgeschlagen – im Innenhof der fux kaserne wurde nach einem längeren Winterschlaf das envilaĝo erneut aufgebaut. Die Halle musste hier für sich alleine stehen und diente für die Dauer des deutschlandweiten Recht auf Stadt Kongresses als Veranstaltungsort, Raum für Diskussion und Dokumentation und empfing die Teilnehmer*innen mit einem gemütlichen Ambiente auf bunten Sitzkissen mit Teestation und Informationen zur solidarischer Stadt. Für diesen Ort wurden weitere Elemente entwickelt, die den envilaĝo im Handumdrehen zu einem ‚Workspace’ werden lassen: Pinnwände, eine große Leinwand, mobile Tischelemente und ein modulares System für Sitzmöbel wurden für den Kongress entworfen und von den Workshopteilnehmer*innen genutzt.

Der Architektursommer 2019 wird das dritte Kapitel sein. Wieder geht es auf die Suche nach Formen der Versammlung. Das envilaĝo wird als Ausstellungsfläche, aber auch für Performance, Lesungen, Filmvorführungen uvm. erprobt und in seiner Funktion getestet. Die bereits entwickelten modularen Möbel werden weiter gebaut und für die bevorstehenden Veranstaltungen verwendet. In einer gemeinsamen Ausstellung sollen die bisherigen Standorte des envilaĝos versammelt, aufgearbeitet und reflektiert werden. Unter dem Thema Handel(n) haben wir Künstler*innen, Kulturschaffende, Modeschaffende, fortschrittliche Denker*innen, Filmschaffende und Freund*innen eingeladen, sich mit uns über den Ort im Hamburger Osten auseinander zu setzen, (stadt-) politische und wirtschaftliche Handlungsfelder in Hamburg und darüber hinaus mit uns zu diskutieren, Filme und Theater zu schauen. Welche Auswirkungen haben mein Handeln auf meine Umgebung, die Stadt oder die Welt? Wie lassen sich Marktsituationen an Orten in der Peripherie herstellen? Was können wir zu einer solidarischen Stadt beitragen?